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4.4
Interaktivität
MM-Systeme bzw. -Dokumente sind vielfach interaktiv, d.h. sie verlangen
in bestimmten Situationen Eingaben vom Benutzer und reagieren hierauf
in bestimmter Weise. Man kann versuchen, verschiedene "Grade
der Interaktivität" zu unterscheiden und diese als Klassifikationsmerkmal
für MM-Systeme bzw. -Dokumente heranzuziehen. Allerdings ist
eine Abgrenzung derartiger Grade sehr aufwendig, zumal dieser Problemkomplex
von anderen Problemkomplexen wie Navigationsstruktur, look and feel
usw. kaum zu trennen ist.
Wir fokussieren die Überlegungen daher auf die Frage, wieviel
softwaretechnische Aufmerksamkeit dem Problemkomplex Interaktivität
gewidmet werden mu. Die Probleme bei der Realisierung eines MM-Systems
können sehr stark von den gewählten Technologien und Entwicklungssystemen
abhängen; ein "sehr interaktives" System kann abhängig
vom gewählten Entwicklungssystem viel oder wenig Realisierungsprobleme
bereiten.
MM-Systeme sind zwangsläufig immer interaktiv, da sie über
Bedienelemente zum Blättern, Navigieren (insbesondere in Hypermedia-Dokumenten)
und Suchen verfügen müssen. Sofern Anzeigesystem und Dokument
klar getrennt sind, wird man derartige Interaktionen indessen dem
Anzeigesystem zuordnen und nicht dem Dokument. Da typischerweise
Anzeigesysteme vorgegeben sind und nur Dokumente entwickelt werden,
fällt für die Entwicklung und Realisierung dieser Art
von Interaktivität kein Aufwand an.
Die Frage stellt sich daher, wann man ein Dokument selbst als interaktiv
bezeichnen mu. Betrachten wir hierzu einige Beispiele:
- Im einfachsten Fall enthält ein Dokument keinerlei interaktive
Elemente. Nehmen wir z.B. eine längere HTML-Seite an, dann
sind die für die Anzeige notwendigen Blätterkommandos
bzw. Dialogelemente alleine durch das Anzeigesystem definiert.
Solche Dokumente würde man als nichtinteraktiv ansehen.
- Wenn das Dokument ein Auswahlmenü oder einen HTML-Link
enthält, gibt es Interaktionselemente explizit vor, und das
Anzeigesystem interpretiert deren Spezifikation. Allerdings ist
die "Sprache", in der diese Interaktionselemente spezifiziert
werden, keine algorithmische Sprache und in ihrer Ausdrucksfähigkeit
beschränkt.
- Komplexere Formen von Interaktivität bedingen, da das
Dokument in irgendeiner Form Algorithmen in einer algorithmischen
Sprache enthält, die die Reaktionen auf die Eingaben berechnen.
Im dritten und ggf. auch im zweiten Fall kann es notwendig sein,
die Interaktivität als eigenen Problemkomplex zu betrachten
und mit entsprechenden softwaretechnischen Methoden zu behandeln.
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