| | zurück | | ||||
| Exposee Diplomarbeit "Schöne neue Medienwelt" Andreas Ingerl 5. September 2004 |
Schöne Neue Medienwelt |
||||
| O
Wunder! Was gibt's für herrliche Geschöpfe hier! Wie schön der Mensch ist! Schöne neue Welt, die solche Bürger trägt! Shakespeare: der Sturm |
| Dieses Zitat eröffnet Aldus Huxleys
Roman "Schöne neue Welt". Die Geschichte einer Utopie.
Eine düstere Vision der Menschheit in 600 Jahren. Ein Ausblick auf
das was mal sein könnte. |
| Utopien
erweisen sich als weit realisierbarer, als man früher glaubte. Und
wir stehen heute vor einer auf ganz andere Weise beängstigenden Frage: Wie können wir ihre endgültige Verwirklichung verhindern? … Utopien sind machbar. Das Leben hat sich auf die Utopien hinentwickelt. Und vielleicht beginnt ein neues Zeitalter, ein Zeitalter, in dem Intellektuelle und Gebildete Mittel und Wege erwägen werden, die Utopien zu vermeiden und zu einer nichtutopischen, ein weniger "vollkommenen" und freieren Gesellschaftsform zurückzukehren. Nikolai Berdjajew |
| Nun nicht die Gesellschaftsform soll Ziel der
Diplomarbeit "Schöne neue Medienwelt" sein. Sonder das Individuum
Mensch, als Ausgangspunkt, Zentrum und Ziel medialer Kommunikation. Nicht
die Gesellschaft der Medien, die Medienlandschaft, soll verändert werden.
Sondern eine Umgebung in der jeder Mensch aus gegebenen Medien, Bildern,
Videos, Textfragmenten, Stimmen, Tönen, selbst einzelnen Worten, seine
persönliche Umgebung erzeugt. Seine persönliche Wissens-Basis.
Ein Konstrukt aus fragmentierten Wissen-Partikeln, die in seiner Gesamtheit
einen neuen persönlich individuellen Kontext ergibt. Den des einzelnen
Individuums. Gespeichert in einem System, einem PIA, einem Persönlichen
Informations Agent. Utopien sind die Essenz der Menschheit. Ausdruck von Fantasie, Kreativität und Erfindergeist. Mittel einer Fortentwicklung. Doch auch ein gefährliches Mittel. Solange nicht Utopien entworfen werden, die auf ihre Tauglichkeit und ihre Verträglichkeit überprüft werden. Neue Technologie, nicht ihrer Selbst willen, sondern im Sinne eine Zweckes im Sinne einer Fortentwicklung. In demokratischem, sozialen oder kulturellen Sinne oder auch im persönlich, individuellen Sinne. Eine Internetseite ist heute ein Ensemble aus Text, Bild und Animation, oder weiteren medialen Elementen. Doch was geschieht wenn man einzelne Fragmente von persönlichem Interesse herauslöst. Sie mit Texten aus Zeitungen, Büchern, Tondokumenten, gesprochener Sprache vergleicht, mischt, in Relation setzt. Es entsteht etwas neues, persönliches, individuelles. Relational zu der Person die dieses Wissen gesammelt oder erstellt hat. Ein neuer Kontext, der des individuellen Menschen... |
| Ziele: | Der japanische "Kensei" Miyamoto
Musashi schreibt in seinen Schriften "das Buch der 5 Ringe": |
| (…)
der Weg des Kriegers sein ein doppelter Weg: der Weg des Schwertes und
der des Schreibpinsels, (…) |
| Diese Zweiteilung eines Weges zu einem Ziel,
beschreibt das zwei unterschiedliche Wege gegangen werden müssen um
ein Ziel zu erreichen. Eine Dualität die wir aus vielen Bereichen des
Lebens her kennen. Zwei Wege sind auch für diese Diplomarbeit vorgegeben.
Zum einen die Analyse der bestehenden Medienlandschaft, um einen Ausgangspunkt zu schaffen. Und die daraus folgende Utopie, eine Vision dessen was sein könnte. Oder könnte damit die Dualität zwischen Medium und Technik gemeint sein. Den digitale Medien sind ohne das technische Rückgrat nicht denkbar. Hier soll aber auch technischen Begebenheiten aufgebaut werden, doch diese nicht bis ins einzelne Details betrachtet werden. Vielmehr soll eine Forderung an dich Technik entstehen, was sie zu leisten im Stande sein sollte. Nicht die Technik dominiert das Ergebnis, sonder die Technik ordnet sich dem Ziel unter und schafft somit deren Grundlage. Die Technik passt sich dem Ziel an. |
| (…)
Der wahre Wert des Schwertkampfes geht immer über die reine Technik
hinaus. In unserer heutigen Zeit und Welt neigt man dazu, Künste,
Fertigkeiten und Werkzeuge und mit ihnen sich selbst zu verkaufen. Mehr
als die Frucht achtet man die Blüte, und es zählt allein der
Schein (…) |
| Ziel der Diplomarbeit ist es Forderungen und
ein Konzept zu erarbeiten, das die Grundlage dafür darstellt einen
PIA (Persönlichen Informations Agent) zu erstellen. Eine Umgebung in
der eine persönliche Wissens-Basis erstellt werden kann, gleichwohl
aus welchen Quellen einzelne mediale Fragmente stammen. Im Zentrum steht
dabei die Kommunikation durch Text. Sprache, eMail, Ton, Text können
alle auf den kleinsten Nenner eines Textes herunter gebrochen werden. Text
stellt somit den Kern dieser Speicherform dar. Texte werde gesammelt, mit
anderen Texten verknüpft, mit Bildern in Relation gebracht, erweitert,
sortiert, verändert. Im Grunde gespeichert. Erhalten für weiteres
Wissen. Und dabei steht nicht das Medium im Vordergrund, sondern die Information die durch einen medialen Träger übermittelt wird. Dieser wird nicht gesondert betrachtet, sondern in Relation zu anderen schon vorhandenen medialen Trägern gebracht. Und das immer in Bezug auf den individuellen Menschen. |
| (…)
Im Grunde müssen wir davon ausgehen, dass die natürlichen Begabungen
des Menschen verschieden sind. (…) |
| Ziel ist es eine Umgebung zu erarbeiten, die auf den Vorraussetzungen eines speziellen Menschen, dessen Wissen, Kommunikation und vielleicht sogar "Lebensdaten" speichert. Das kann bei einem Zeitungsartikel Kreditkarten- oder persönlichen Daten, eMails, verfassten Gedichten oder Bildern, beginnen und bei Zeitdokumenten, Fernsehaussschnitten oder Tondokumenten enden. Die Vergänglichkeit der Kommunikation wird überwunden, hin zu einer persönlichen Datenbank, die einem Selbst oder anderen Auskunft über sich, das erlebte oder erfahrene geben kann. |
| (…)
an einem Ding zehntausend Dinge zu erkennen, das ist die Kunst (…) |
| Untersuchungsfragen der Diplomarbeit: | - Stand und Umfang der heutigen Medienlandschaft - Möglichkeiten der Herauslösung, Absonderungen und Neuordnung von Informationsfragmenten - Heute schon bestehende Möglichkeiten einer Personalisierung - Wie ist die heutige digitale Durchdringung unserer Umwelt. - Wie muss ein PIA Strukturiert sein. Wie kann er "gefüttert" und "gemolken" werden. - Welche Vorraussetzungen sind dazu nötig. - Wie müsste ein solches System aussehen/funktionieren. - Wie kann Personalisierung umgesetzt werden. - Welche Konsequenzen hätte die Existenz eines solchen Systems. |
| Umfang und Ausführung der Diplomarbeit: | Die Diplomarbeit soll im Grunde als Buch erarbeitet
werden. Dieses Buch soll sich bewusst von den klassischen Layouts einer
Diplomarbeit abheben und ein durchweg gestaltete Buch sein. Dabei werden
zwei Handlungsstränge verfolgt. Zum einen die wissenschaftliche Abhandlung
zum Thema, zum anderen eine parallel ablaufende Kurzgeschichte die den Inhalt
des wissenschaftlichen Teiles in eine reale oder utopische Welt transformiert. Zusätzlich können oder werden zu den schriftlichen Teilen des Buches digitale Modelle entwickelt, die die Funktion eines PIAs skizzieren sollen. Diese Beispiel werden entweder als CD/DVD oder als Links zu einer Webseite beigefügt. Weiter kann ein filmischer Trailer entstehen, der den Status Quo der heutigen Medienlandschaft verbildlicht, eine Stimmung zu dem Thema erzeugt und mögliche Ansatzpunkte zeigt. Dieser Trailer wird einen Video-Clip artige Anmutung besitzen. Er dient als Einführung in das Thema. |
| Schlussbemerkung: | Diese Diplomarbeit soll eine Wanderung zwischen Wissenschaftlichkeit und Fiktion sein. Erkenntnisse, Rückschlüsse und Folgerungen für eine "schöne neue Medienwelt" werden in ein zukünftiges und fiktionales Szenario projiziert um seine Funktion und Nutzbarkeit zu untersuchen. Die Diplomarbeit wird versuchen mehrere Medien in sich zu vereinen und Querverweise zu bieten. Nicht nur ein Medium soll genutzt werden. Diese Diplomarbeit kann bestürzende Utopie werden oder auch faszinierende Vision einer neuen Medienwelt |
| (…)
Diese wirkliche revolutionäre Revolution lässt sich nicht in
der äusseren Welt bewirken, sondern nur in den Seelen der Menschen.
(…) Der Marquis de Sade war ein verrückter, und das mehr oder
weniger bewusste Ziel seiner Revolution waren Chaos und Vernichtung. Die
Menschen, welche die "schöne neue Welt" regieren, mögen
geistig nicht gesund sein (im absoluten Sinne des Wortes); aber sie sind
keine Geisteskranken, und ihr Ziel ist nicht Anarchie, sondern soziale
Stabilität. Um solche Stabilität zu erzielen, führen sie
mit wissenschaftlichen Mitteln die letzte, persönliche, wirkliche
revolutionäre Revolution durch. (…) Aldous Huxley. Aus dem Vorwort zu "Schöne neue Welt" |
| © Copyright 2004 | Andreas Ingerl |
| | zurück | | ||||